Die erste Woche

15.08.2025

Still und heimlich hat sich die erste Woche an uns vorbeigeschlichen.
Die Ankunft war holprig und abenteuerlich. Aber menschlich gesehen, lief alles reibungslos.

Wir wurden von einem Fahrer von der deutschen Schule Quito abgeholt und quer durch die Stadt zu unserem künftigen Haus gefahren, die Casita, wie wir sie im Vorfeld schon genannt hatten.
Dazu muss ich vielleicht erst erzählen, dass als ADLKler - also als Auslandsdienstlehrkraft - mir im Vorfeld schon viele Kontakte in Ecuador zur Verfügung gestellt worden sind. Lehrkräfte meldeten sich bei mir, um mir dabei zu helfen, mir besser vorstellen zu können, was auf uns zukommt, andere ADLKler, die zeitgleich mit uns einreisen würden, wurden uns vorgestellt und natürlich auch Maklerinnen und Makler. Wir hätten Ecuador grundsätzlich auf zwei Arten betreten können: Entweder erst einmal in einem Hotel oder einem RB&B unterkommen und dann hier auf Haussuche gehen, oder von zu Hause aus alles organisieren. Wir entschieden uns für letzteres, weil es wirklich so viel wahnsinnig sympathische und engagierte Unterstützung gab.

Der beste Tipp stammte zunächst von unserem Buddy, die uns zugeteilt worden war, um uns zu unterstützen. Eine Lehrerin, die uns sagte: Sucht euch erst die Urbanisación aus, in der ihr wohnen wollt. Und dann sucht in diesen Communities das Haus. Bis jetzt kann ich sagen, dass kein Tipp besser war! Denn Häuser und Möglichkeiten gibt es zahlreiche. Aber diese Urbanisaciónes prägen am Ende mehr das individuelle Privatleben, als alles andere. Eine Urbanisación ist ein kleines eingemauertes Wohnviertel, das durch Sicherheitspersonal bewacht wird. In manchen dieser Viertel gibt es Spielplätze, in anderen Parkanlagen, manchmal auch gar nichts. Einige sind hunderte von Häusern groß, ein Haus wurde uns angeboten, da hätten lediglich drei Häuser in die Bewachung gehört. Für ein Leben mit drei Kindern: undenkbar. 

Meine Schwägerin hatte schon Angst, dass wir am Ende in einem goldenen Käfig sitzen könnten, und das konnte durch die Wahl der richtigen Urbanisación vermieden werden. Allerdings: Die gewohnte Internetrecherche brachte nahezu gar nichts. Keine dieser Urbanisacións lassen sich im Internet ausmachen, geschweige denn charakterisieren. Was es benötigte, war simple Erfahrung von Leuten, die schon hier leben und sich schon ein wenig auskennen.

So kamen wir am Ende einer langen Suche nach Cumbaya in eine Urbanisación mit dem klangvollen Namen "Jacarandá", was der Name eines wundervoll blühenden Baumes ist, der die Gegend hier prägt. Im Zentrum unseres Viertels sind ein farbenfroher Park mit Spielplätzen und Sportanlagen, als auch ein Privatclub, worin ein Freibad und zahlreiche Sportvereine und Fitnessangebote auf uns warten. 

Die Urbanisación ist ein Traum. Die Häuser darin pendeln von prunkvoller Villa bishin zu übertrieben prächtiger Villa. Unsere Casita reiht sich etwas verlegen ein. Nach einer von Schneise durch einen kleinen Bambuswald folgt ein größerer Platz mit drei Avocadobäumen, einem Zitronenbäumchen, mehreren Rosen und dem weißen Casa del Kellmeyer.

Im Inneren wirkt alles sehr bodenständig, groß und weit. Aber noch stehen auch nur ein paar wenige Möbel darin, die wir von Ausreisenden organisiert haben.

Und wieder hatten wir die Wahl: viele ADLKler reisen an und machen dann erst einmal Urlaub. Verdammt clever! Denn das Organisieren des Umzugs, des Fluges, für einige das komplette Abmelden und Verabschieden von zu Hause, das Organisieren von dem Transport von Tieren, das ist eine enorme Belastung. Emotional wie physisch. Sich dann in der Fremde zu erst einmal einen Urlaub gönnen ist Balsam für die Seele. Jede Entscheidung hat aber auch Nachteile. Und so haben wir uns für Weg zwei entschieden, wohlwissend, dass keine Variante die Wahre ist. Wir pflegen den Nestbau. Da für mich die Schule in ein paar Wochen startet und meine Frau erst einmal alleine und ohne Arbeit zu Hause sein wird, war es uns wichtig, zuallererst das Haus einzurichten. 

So verging die erste Woche in Taxis und Geschäften. In Möbelabteilungen, Dekoshops und natürlich zu Hause, wo wir jeden Tag ein anderes Möbelstück aufbauten. Perfekt ist es noch lange nicht, entspannend auch nicht. Aber dafür können wir von der Casita aus bald unsere Erkundungen und Abenteuer starten.



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Webseite: Agentur Hundertmarck