Ein paar Fragen und Antworten

14.06.2025

Hallo ihr Lieben,

auf Instagram und hier werde ich euch in nächster Zeit auf unsere Reise mitnehmen "Drei Jahre Ecuador" - unsere ganz persönlichen Avocadojahre (Wie es zum Titel kam und welche Emotionen das in der Familie ausgelöst hat, erfahrt ihr demnächst in einem separaten Beitrag).

Ich habe vor, immer mal wieder Fotos und Videos auf Instagram zu posten und den Alltag und den ganz (un-)normalen Wahnsinn am anderen Ende der Welt für euch festzuhalten. Aber bevor wir im August die Reise antreten, habe ich euch auf Instagram gefragt, ob ihr ganz Allgemein ein paar Fragen habt, die ich hier beantworten soll. Und wow, habt ihr geliefert!

Also denn, Ärmel hochkrempeln und ein paar Fragen beantworten:

 Warum Ecuador? Wieso nicht zum Beispiel Brasilien?

Schön, dass eine der ersten Fragen nicht lautete: "Wieso macht ihr das überhaupt?" Denn, seien wir ehrlich: ein Abenteuer hat immer zwei Seiten. Da gibt es den Risikoteil mit den Gefahren und der Angst vor dem Ungewissen und dem Spaß-Teil der aus Lernen besteht, aus Erfahrungen, Zwischenmenschlichen Begegnungen und den vielen spektakulären Eindrücken. Eines meiner Lebensmottos war schon immer: "Die Welt ist groß - und Hoffnung gibt es überall", von daher war der Wunsch, einmal für begrenzte Zeit im Ausland zu leben, schon immer sehr stark. Wenn es rein nach meiner Frau und mir gegangen wäre, dann wäre Mexiko das Land erster Wahl gewesen. Wir haben bereits Bekannte und Freunde in Mexiko und die Kultur zieht uns schon seit ein paar Jahren magisch an. Seit ich ein Teenager bin, wollte ich immer einmal den tropischen Regenwald durchwandern. Dieser Kindheitstraum war bei unserer Entscheidung schon ein starker Magnet. Aber es geht nicht rein nach uns, leider. 
Wer als deutscher Lehrer sich bereit erklärt, im Ausland zu unterrichten, der muss sich zunächst bewerben, ein bestimmtes Verfahren durchmachen und dann landet er auf einer Liste. Diese Liste geht prinzipiell an alle deutschen Schulen im Ausland und wer Bedarf hat, der kann sich dann bei den Bewerbern melden.
Das spannendste und verführerischste Angebot war dann am Ende Ecuador. Und wir freuen uns riesig darauf!

Gehen Sie dann an eine deutsche Schule dort?

Das ist schnell mit "ja" beantwortet. Organisiert ist das ganze als eine Art Privatschule im Ausland, die von Deutschland aus finanziert wird und dem deutschen Lehrplan folgt. Es ist möglich, das deutsche Abitur dort zu machen und das deutsche Sprachdiplom. Im Endeffekt geht es um einen kulturellen Austausch und eine Vernetzung, die die Menschen näher zusammenbringt. Erinnert ihr euch noch an mein Motto? Diese Zusammenführung ist für mich ein ganz wichtiger Bestandteil des Wortes "Hoffnung". Ich bin aber auch ein humanistischer Idealist.

Wie kam es zu der Idee? Gab es Support von der Schule?

Die Idee ist gewachsen. Es ist auch nicht so, dass es einen zentralen Auslöser oder einen Grund gibt, der uns zu dieser Idee geführt hat.
Meine Frau und ich, wir haben schon immer darüber geredet, aber das Timing hat nie gestimmt. In Studienzeiten wollte ich einmal ein Semester in Norwegen studieren, aber der Sachbearbeiter hat mir damals eher die Hoffnung auf ein solches Vorhaben geraubt. Dann wollten wir nach meinem Referendariat ins Ausland, aber ein Formfehler im Bewerbungsverfahren hat zu einer Ablehnung geführt. Wir kennen einige, die schon im Ausland waren. Ehemalige Nachbarn von uns waren sogar in Ecuador, mein bester Freund aus Kindertagen hat sich dem Abenteuer Japan gestellt. All diese Bekannte haben eine Sache gemeinsam: Sie schwärmen von den Erfahrungen und den Erlebnissen.
Sicher, sie malen nichts blauäugig schön, sie erzählen mir auch von den Anstrengungen und dem Stress, den es gerade in den ersten Monaten zu bewältigen gilt. Aber auch jetzt, da wir Mitten im Projekt "Avocadojahre" sind und schon einige Kontakte zu Lehrern im Ausland geknüpft haben, gibt es niemanden, der sagt, dass es ein "Fehler" gewesen sein könnte. Jeder hat leuchtende Augen und das ist ein unglaublicher Support.
Apropos Kontakte im Ausland: Der Support von den Schulen im Ausland scheint überall sehr gut zu sein. Wir haben Buddies zugewiesen bekommen, Lehrkräfte, die sich freiwillig bereit erklärt haben, unsere Ankunft zu erleichtern. Wir stehen in regem Austausch mit ihnen, erhalten Videos, Fotos, Tipps, auch praktische Unterstützung wie "die Schule holt euch mitsamt euren Koffern vom Flughafen ab". Und viele Dinge, die fast übermenschlich zu organisieren wären, fühlen sich zwar immer noch anstrengend, aber machbar an, weil es so viele herzliche Menschen gibt, die einem helfen.

Wie finden es die Kids und wie läuft es mit deren Schulen? Und wie ist es mit der Sprache?

Wir sind eine fünfköpfige Familie. Meine Frau, ich und drei Kinder. Meine Tochter ist 12 und wechselt in die achte Klasse, der Mittlere ist 10 und wechselt von der Grundschule aufs Gymnasium und der Kleine ist 6 und kommt in die zweite Klasse. Alle drei sind treibende Kräfte. Wahrscheinlich haben sie die Abenteuerlust von mir in den Venen. Für jeden von ihnen wird es ein besonderes Projekt. Meine Tochter freut sich, die Welt zu entdecken, aber natürlich lässt sie Freunde und Bekannte hier zurück. Ein Glück, dass die Technik so weit fortgeschritten ist, dass jede Mensch nur ein Wimpernschlag von einem entfernt ist. Der Wechsel in eine sprachgemischte Klasse wird sicher eine riesige Herausforderung. Spanischeren ist angesagt. Wir sind eifrig in Duolingo aktiv. Aber ob diese App so viel hilft, wage ich zu bezweifeln. Sie schadet immerhin nicht und verschafft Sprachgefühl. Aber die Erfahrung unserer Buddies lautet, dass nach drei Monaten, die Kids die Sprache draufhaben. Der Mittlere (K2), würde sowieso die Schule wechseln und wird neu "sozialisiert". Da bietet sich der Wechsel ja geradezu an. Aber in Ecuador sind die 5. und 6. Klasse noch zur Grundschule zugehörig. Das ist natürlich ein kleiner Dämpfer. Aber andererseits könnte das auch wieder helfen, den harten Sprung etwas zu dämpfen. Für ihn war es richtig schlimm, seinen besten Freund zurückzulassen. Aber als der sagte: "Cool, dann habe ich jemanden am anderen Ende der Welt, mit dem ich online Schach spielen kann", hat sich ein riesiger Knoten gelöst. Außerdem war seine Ansicht von Anfang an: "Entweder zu einem Vulkan, in den tropischen Regenwald oder irgendwohin, wo es Dinos gibt!". Naja, zwei von drei Wünschen sind erfüllt.

Vor welcher Sache, die dich erwartet, hast du am meisten Respekt? Wird es dort erfüllender als hier? Worauf freust du dich am meisten? Was wirst du vermissen?

Das ist alles sehr schwer zu beantworten. Neulich habe ich mit einem Freund über Lehrkräfte grundsätzlich gesprochen. Und dabei ist uns aufgefallen, dass viele Lehrkräfte sich nach einer dauerhaften Regelmäßigkeit sehnen. Das Gefühl, dass Veränderungen kommen, kann Angst machen. Erst haben wir es mit Digitalisierung zu tun gehabt, als nächstes kommt die künstliche Intelligenz. Die Lesefähigkeit der Kinder nimmt immer mehr ab, die Diskussionen darüber, was Schulen in Zukunft leisten sollen, werden heftig geführt.
Ich verstehe die Angst vor dem Unbekannten. Ganz ehrlich: ich spüre sie auch. Direkt nach Studium und Referendariat war es mir ein inniges Bedürfnis, endlich einmal irgendwo anzukommen, mich einzunisten und Ruhe zu finden. Dann wurde die Welt immer aufgeregter. Es kamen Corona, Kriege, Aggressivität, wachsende Armut, ... Wie schön wäre es da, wenn endlich einmal wenigstens ein Bereich im Leben Stabilität und Gleichförmigkeit beinhaltet?
Aber der Lehrberuf ist eine Arbeit an und mit Menschen. Da kann es gar keine Gleichförmigkeit geben. Jede Klasse ist anders, so wie jeder Mensch anders ist. Und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann war es dieses Wechselhafte, was ich an diesem Beruf ja auch immer geliebt habe. Dass ich mein Fach und meinen Unterrichtsstil jedes Schuljahr aufs Neue Neudenken musste. Dieses Neudenken wird jetzt auf die Probe gestellt. Ich habe schon gehört, dass der Humor in Ecuador ganz anders sein soll als hier und Ironie und Sarkasmus nicht so leicht verstanden werden. Keine Ahnung, ob das grundsätzlich stimmt, oder nur eine Generationsfrage ist, nur die Erfahrung Einzelner oder tatsächlich so stimmt. Aber selbstverständlich ist es der Kontakt nicht einfach nur mit einer anderen Generation, sondern mit einer anderen Kultur. Mit einer anderen Lebensweise ja, davor habe ich am meisten Respekt und darauf freue ich mich am meisten. 
Wenn das Abenteuer ruft, will ich nicht die Ohren davor verschließen. 
Aber vermissen werde ich zu hundert Prozent alle meine Bücher. 
Zu Hause steht eine kleine Bibliothek, die drei Jahre lang im Dornröschenschlaf auf mich warten wird. Mit der Goethe-Gesamtausgabe werde ich nicht nach Ecuador fliegen. Um genau zu sein, kommt nur ein Kindle mit. Ob ich ohne Bücher überleben kann, das ist die Frage, die mir schlaflose Nächte bereitet.

So, das soll für heute genügen.
Weitere Fragen werden demnächst beantwortet.
Und keine Sorge. Auf Instagram gibt es unter @holgerjjf noch weitere spannende Einblicke in unser Abenteuer "Avocadojahre".

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Webseite: Agentur Hundertmarck