Zwischen Kofferchaos und Vorfreude

18.07.2025

Noch stehen wir mittendrin - in unserem Haus an der Südlichen Weinstraße, zwischen den Bücherregalen, die mich vorwurfsvoll ansehen, weil es vom Gewicht her unmöglich ist, sie mitzunehmen, und einem stetig wachsenden Haufen an Sachen, die unbedingt mitmüssen.

Draußen riecht es nach Sommerregen und nach Abschied. Und trotzdem liegt da was in der Luft, das sich schwer greifen lässt: ein besonderes Gefühlschaos aus Vorfreude und Anspannung.

An den Jungs kann ich das immer besonders gut messen. Die sind auf eine ganz spezielle Art sensibel für die Emotionen, die bei uns Erwachsenen aufkommen. Irgendwie spüren sie jede noch so subtile Spannung und laden sich selbst damit auf. Heute tigern sie aufgeregt durch den Flur, verdrehen die Augen und planen den nächsten Blödsinn, weil sie sich langweilen - immerhin sind ja schon Sommerferien. Der gewohnte Schulalltag ist zu Ende. Aber wie wir Erwachsenen können sie auch nicht: sich einfach mal zurücklehnen und das Ausbleiben von Pflichten genießen, entspannen oder auch ganz simpel: Anpacken. Denn auch wenn es keine direkte Verpflichtungen gibt: in dieser zäh dahinfließenden Aufbruchstimmung gibt es eigentlich immer etwas zu tun.

Ja, in wenigen Wochen beginnt für uns ein neues Kapitel. Als Familie gehen wir für drei Jahre nach Ecuador. Dort wartet sowohl auf die Kids als auch auf mich eine neue Schule. Ich werde dort unterrichten. Als Deutschlehrer, de nun selbst zum Lernenden wird. Eine neue Sprache, ein anderes Schulsystem. Eine andere Kultur. Und vor allem: ein völlig anderer Alltag. Nicht nur für mich. Für uns alle.

Während meine Frau und ich die Kleidung in Vakuumbeutel packen, den Staubsauger ansetzen und dabei zusehen, wie der große, weiche Berg ganz schmal und fest wird, fällt uns im Gespräch auf, dass wir gar keine richtige Vorstellung haben, von dem, was kommt.

Wir träumen davon, nervös ins Flugzeug zu steigen. Aber kein einziger Traum handelt vom Landen. Wir haben zwar Videos der neuen Schule gesehen, uns auf YouTube die Beiträge anderer Reisenden angeschaut, unsere Buddies in Ecuador schicken uns auch bereitwillig Fotos vom Land, der Schule unserem neuen Haus. Aber es wird nicht richtig greifbar.

Und dann ist da das große Chaos zu Hause. Die to-do-Listen werden eher länger als kürzer. Die Abende emotionaler. Die Gespräche mit Freunden und Familie intensiver. 
Einige fallen uns weinend in die Arme, weil die Distanz so groß wird. Das sind dann die Momente, in denen wir spüren, wie schwer es ist, loszulassen. Die Kinder haben sich von den Klassen verabschiedet, von den Vereinen, vom Garten, vom Pfälzer Wald.
Und vielleicht auch bisschen von uns selbst, so wie wir bisher waren.

Aber unter all dem Abschied liegt etwas anderes: ein leiser, wacher Blick nach vorn. Wir reden über Impfungen und Pässe, aber auch über Vulkane, den Äquator, Erdbeben und den tropischen Regenwald. Wir müssen nach Bonn fahren, um zum zweiten Mal die Dienstpässe zu beantragen, weil beim ersten Mal all unsere Daten gelöscht worden sind. Ein paar Tage später lachen wir darüber. Dann sitzen wir mit Mangoeis auf dem Balkon und rätseln, ob das Obst in Ecuador anders schmecken wird? Intensiver vielleicht?

Zwischen Kofferchaos und Vorfreude. 
So fühlt es sich an, unser Jetzt.
Wir hoffen, dass viele von euch uns auf diesem Weg begleiten werden. Vielleicht nicht mit dem Flugzeug, aber mit offenen Gedanken. Wir nehmen euch mit - in unser neues Leben in Ecuador.

Hier und auf Instagram: @holgerjjf

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Webseite: Agentur Hundertmarck